Warum Schmerzen bei Endometriose und Adenomyose bleiben können, obwohl medizinisch alles abgeklärt ist
- Tanja Schultefrankenfeld

- 27. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Viele Frauen erleben genau diesen Moment: Die Untersuchungen sind abgeschlossen. Befunde gelten als stabil oder unauffällig. Es gibt keine neuen medizinischen Ansatzpunkte mehr. Und dennoch bleiben die Schmerzen bestehen. Nicht punktuell, sondern dauerhaft.
Was dann häufig entsteht, ist Verunsicherung. Zweifel am eigenen Empfinden. Oder das Gefühl, dass etwas übersehen wird, ohne benennen zu können, was genau fehlt. Dieser Artikel setzt genau hier an. Nicht mit einer weiteren Diagnose, sondern mit einer Einordnung, die erklärt, warum Schmerzen auch dann fortbestehen können, wenn medizinisch scheinbar alles geklärt ist.
„Medizinisch ist alles abgeklärt“ - und trotzdem hört der Körper nicht auf zu reagieren
Wenn medizinisch von „abgeklärt“ gesprochen wird, bedeutet das meist, dass keine akuten Entzündungszeichen, keine auffälligen Laborwerte und keine strukturellen Veränderungen gefunden wurden, die das aktuelle Beschwerdebild erklären. Was dabei oft unausgesprochen bleibt: Abgeklärt heißt nicht automatisch, dass sich der Körper sicher fühlt.
Schmerz entsteht nicht ausschließlich dort, wo Gewebe sichtbar verändert ist. Er entsteht auch dort, wo der Körper über längere Zeit gelernt hat, wachsam zu bleiben. Aus eigener Erfahrung kenne ich dieses Prinzip gut. Über Jahre hinweg traten während meiner Periode starke, teils lähmende Schmerzen im Darm auf. Lange lag der Fokus genau dort. Die eigentliche Ursache lag jedoch an einer anderen Stelle, in der Muskulatur der Gebärmutter. Der Schmerz war real. Er folgte lediglich nicht der offensichtlichsten Spur.
Warum der Körper nicht einfach „abschaltet“, wenn die Ursache behandelt ist
Viele Frauen gehen davon aus, dass Schmerzen nachlassen müssten, sobald Herde entfernt wurden, Medikamente greifen, Ruhe einkehrt oder der Alltag entschleunigt wird. Wenn das nicht geschieht, wirkt es widersprüchlich. Tatsächlich folgt der Körper jedoch einer anderen Logik.
Schmerz ist kein rein mechanisches Signal. Er ist Teil eines Schutzsystems. Dieses System arbeitet auf Grundlage von Erfahrung. Wenn der Körper über Monate oder Jahre gelernt hat, dass bestimmte Situationen, Bewegungen oder innere Zustände mit Gefahr verbunden sind, bleibt diese Schutzreaktion häufig aktiv. Auch dann, wenn die ursprüngliche Auslöser-Situation medizinisch nicht mehr vorhanden ist.
Warum „nichts mehr zu finden“ nicht bedeutet, dass „nichts mehr passiert“
Ein verbreiteter Denkfehler lautet: Was nicht messbar ist, existiert nicht. Viele Prozesse im Körper sind jedoch funktionell, nicht strukturell. Sie lassen sich nicht im Ultraschall oder MRT abbilden, zeigen sich aber deutlich in Reaktionsmustern.
Dazu gehören anhaltende Spannung, die nicht mehr richtig abklingt, Schmerzreaktionen ohne klaren Auslöser, Erschöpfung trotz Schonung oder Symptome, die sich in Ruhephasen sogar verstärken. Das bedeutet nicht, dass der Körper übertreibt. Es bedeutet, dass er weiterhin in einem Alarmmodus arbeitet, der sich über Zeit stabilisiert hat.
Warum der Fokus auf reiner Entlastung oft nicht ausreicht
Viele Frauen reagieren auf anhaltende Schmerzen, indem sie sich weiter zurücknehmen. Sie tun weniger, vermeiden mehr und werden vorsichtiger. Das kann kurzfristig entlasten. Langfristig verändert es jedoch häufig nichts am zugrunde liegenden Muster.
Ein Körper, der gelernt hat, wachsam zu bleiben, braucht mehr als Entlastung. Er braucht neue Erfahrungen von Sicherheit, die verlässlich sind und sich wiederholen. Nicht als einmalige Maßnahme, sondern als Prozess, der dem Nervensystem erlaubt, seine Bewertung schrittweise zu verändern.
Was diese Perspektive verändert
Wenn Schmerzen bleiben, obwohl medizinisch alles abgeklärt ist, liegt das Problem nicht darin, dass nichts hilft. Häufig liegt es darin, dass auf einer Ebene intensiv gearbeitet wird, während eine andere unbeachtet bleibt.
Diese Perspektive verschiebt den Blick weg von der Frage, was mit dem eigenen Körper nicht stimmt, hin zu der Frage, was der Körper über Zeit gelernt hat. Genau hier beginnt ein anderer Umgang mit Symptomen. Nicht im Kampf gegen den Körper, sondern im Verstehen seiner Logik.
Wie es von hier aus weitergehen kann
Wenn Schmerzen Teil eines gelernten Reaktionsmusters sind, reicht reine Symptombehandlung nicht aus. Dann braucht es einen Ansatz, der dort ansetzt, wo diese Muster entstanden sind. Genau hier setzt mein Mini-Training an. Es verbindet ein kompaktes Video mit einem begleitenden Workbook und gezielten Übungen, die darauf ausgerichtet sind, dem Nervensystem schrittweise neue Sicherheit zu vermitteln. Nicht punktuell, sondern über Wiederholung und bewusste Reizsetzung.