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Warum Ruhe allein nichts verändert - und was dein Körper stattdessen braucht

  • Autorenbild: Tanja Schultefrankenfeld
    Tanja Schultefrankenfeld
  • 20. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Viele Frauen mit Endometriose oder Adenomyose hören immer wieder denselben Rat: Du musst dich mehr entspannen. Gemeint sind Pausen, Atemübungen, Yoga oder Meditation. Und doch bleibt oft das Gefühl, dass sich trotz all dieser Maßnahmen wenig verändert. Schmerzen, Erschöpfung oder innere Unruhe bleiben bestehen, selbst dann, wenn äußerlich Ruhe eingekehrt ist.


Das liegt nicht daran, dass du etwas falsch machst. Es liegt daran, dass Entspannung und Regulation zwei unterschiedliche Ebenen ansprechen. Was sich im Körper zeigt, lässt sich nicht allein durch Ruhe beeinflussen, wenn das Nervensystem weiterhin unter Spannung arbeitet.


Das passende Video zu diesem Blogartikel findest du hier:





Entspannung ist ein Zustand, Regulation ein Prozess


Entspannung beschreibt einen momentanen Zustand. Der Körper lässt nach, Spannung sinkt, Aktivität nimmt ab. Regulation hingegen beschreibt einen fortlaufenden Prozess. Sie meint die Fähigkeit des Nervensystems, flexibel zwischen Aktivierung und Ruhe zu wechseln, ohne in einem Zustand festzustecken.


Ein reguliertes Nervensystem kann hochfahren, wenn es nötig ist, und wieder herunterfahren, wenn eine Situation vorbei ist. Es bleibt dabei innerlich stabil, auch wenn sich äußere Anforderungen verändern. Viele Körper mit chronischen Beschwerden haben diese Flexibilität verloren. Nicht aus Schwäche, sondern weil sie sich über lange Zeit an Belastung anpassen mussten.



Warum Entspannung oft nicht wirkt, obwohl du alles „richtig“ machst


Wenn ein Nervensystem über längere Zeit gelernt hat, wachsam zu bleiben, fühlt sich Entspannung nicht automatisch sicher an. In solchen Phasen reagieren viele Körper paradox. Meditation erzeugt Unruhe statt Ruhe. Tiefe Atmung verstärkt Symptome. Pausen führen zu innerem Druck oder Leere. Der Körper bleibt angespannt, obwohl rational klar ist, dass gerade keine akute Gefahr besteht.


Das Nervensystem reagiert in diesen Momenten nicht auf die Übung selbst, sondern auf die Bedeutung, die es ihr zuschreibt. Für ein System im Alarm kann Loslassen gleichbedeutend mit Kontrollverlust sein. Entspannung wird dann nicht als Entlastung erlebt, sondern als Risiko.


Auch ich habe erlebt, dass klassische Entspannungsansätze nicht automatisch zu mehr innerer Ruhe führen. Erst als ich verstanden habe, dass mein Nervensystem Sicherheit brauchte und nicht Ruhe, konnte sich etwas verändern.



Regulation beginnt nicht mit Ruhe, sondern mit Sicherheit


Ein verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, man müsse erst ruhig sein, um reguliert zu sein. Tatsächlich verhält es sich umgekehrt. Erst wenn sich das Nervensystem sicher fühlt, kann Entspannung überhaupt entstehen.


Sicherheit entsteht nicht durch Techniken, sondern durch Erfahrungen. Orientierung, Vorhersagbarkeit, klare Reize und langsame, dosierte Veränderung spielen dabei eine zentrale Rolle. Für viele Frauen ist es hilfreicher, Spannung zunächst bewusst wahrzunehmen, statt sie sofort verändern zu wollen. Reize zu begrenzen, statt tiefer zu atmen. Dem Körper kleine, kontrollierbare Signale zu geben, die ihm zeigen, dass er nicht ausgeliefert ist.


Regulation bedeutet nicht Abschalten. Sie bedeutet, wieder in Beziehung mit dem eigenen System zu treten.



Was dein Körper dir mit anhaltender Anspannung sagen will


Anspannung ist kein Fehler. Sie ist ein Hinweis. Häufig zeigt sie, dass sich dein System an Dauerbelastung angepasst hat. Dein Körper hält dich handlungsfähig, auch wenn Schutz lange Vorrang vor Erholung hatte.


Das Ziel ist daher nicht, Anspannung zu beseitigen. Entscheidend ist zu verstehen, warum sie noch gebraucht wird und unter welchen Bedingungen sie sich schrittweise lösen darf. Erst aus diesem Verständnis heraus kann Veränderung entstehen, die nicht gegen den Körper arbeitet.



Regulation ist individuell und nicht linear


Was regulierend wirkt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bewegung kann stabilisieren oder überfordern. Stille kann beruhigen oder verunsichern. Nähe kann Sicherheit geben oder Stress auslösen. Deshalb greifen allgemeine Entspannungsratschläge oft zu kurz.


Ein regulierender Weg entsteht dann, wenn das Nervensystem in seiner Geschichte verstanden wird, Belastungen mitgedacht werden und Tempo sowie Dosierung stimmen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen etwas auszuprobieren und gezielt zu regulieren.



Wie es weitergeht


An diesem Punkt setzt mein Mini-Training an. Es richtet den Blick weg von reiner Entlastung und hin zu den Bedingungen, die dein Nervensystem braucht, um Spannung nicht nur kurzfristig zu reduzieren, sondern langfristig zu verändern. Du lernst, welche Signale Sicherheit vermitteln und wie Regulation im Alltag Schritt für Schritt aufgebaut werden kann.


Das Mini-Training besteht aus einem kompakten Video und einem begleitenden Workbook mit gezielten Impulsen und Übungen, die auf Wiederholung und Kontinuität ausgelegt sind und deinem System neue Orientierung ermöglichen.


Im nächsten Artikel gehe ich genauer darauf ein, warum Schmerzen bei Endometriose und Adenomyose auch dann bestehen können, wenn medizinisch alles abgeklärt ist, und weshalb Schmerz nicht immer dort entsteht, wo Gewebe sichtbar verändert ist.

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