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Wenn du mit Adenomyose oder Endometriose das Vertrauen in Veränderung verloren hast

  • Autorenbild: Tanja Schultefrankenfeld
    Tanja Schultefrankenfeld
  • 30. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt einen Gedanken, den viele Frauen mit Adenomyose oder Endometriose irgendwann mit sich tragen – auch wenn sie ihn nur selten laut aussprechen.


„Was, wenn es am Ende sowieso wieder nichts bringt?“


Vielleicht kennst du diesen Gedanken selbst.


Du liest einen Artikel, hörst von einer neuen Möglichkeit oder stößt auf einen Ansatz, der sich zunächst vielversprechend anhört. Für einen kurzen Moment entsteht das Gefühl, dass sich vielleicht doch etwas verändern könnte. Doch fast im selben Augenblick meldet sich eine innere Stimme. Sie erinnert dich an all die Male, in denen du bereits voller Hoffnung gestartet bist – und am Ende trotzdem enttäuscht wurdest.


Vielleicht hast du schon deine Ernährung umgestellt. Unterschiedliche Nahrungsergänzungsmittel ausprobiert. Arzttermine wahrgenommen. Physiotherapie, Osteopathie oder andere Behandlungen in Anspruch genommen. Du hast Bücher gelesen, Podcasts gehört, Erfahrungsberichte verschlungen und versucht, aus unzähligen Informationen für dich den richtigen Weg herauszufiltern.


Und trotzdem bist du heute an einem Punkt angekommen, an dem sich die eigentliche Frage verändert hat.


Es geht längst nicht mehr nur darum, was dir helfen könnte. Sondern darum, ob du überhaupt noch daran glauben kannst, dass sich nachhaltig etwas verändern darf.


Nachdenkliche Frau mit braunen Haaren liegt mit dem Kopf auf einem Holztisch und blickt ruhig in die Kamera. Symbolbild für die emotionale Belastung bei Adenomyose und Endometriose.

"Nach vielen Enttäuschungen fällt es oft schwer, neuen Wegen wieder zu vertrauen."


Genau dieser ständige Wunsch, endlich die richtige Lösung zu finden, begleitet viele betroffene Frauen über Jahre hinweg. Ausführlicher habe ich darüber bereits in meinem Artikel „Warum viele Frauen mit Adenomyose oder Endometriose ständig nach der nächsten Lösung suchen“ geschrieben.


Vertrauen geht selten von heute auf morgen verloren


Viele denken bei Vertrauen an einen einzigen Moment. Tatsächlich passiert das Gegenteil.


Vertrauen verschwindet meist schleichend.


Es beginnt vielleicht mit einem Arzttermin, nach dem du das Gefühl hast, nicht ernst genommen worden zu sein. Dann folgt die nächste Behandlung, von der du dir viel versprichst, die aber kaum etwas verändert. Vielleicht investierst du erneut Zeit, Geld und Energie in einen anderen Ansatz. Wieder hoffst du, endlich Antworten zu finden. Und wieder bleiben viele Fragen offen.


Mit jeder dieser Erfahrungen verändert sich etwas. Nicht nur dein Blick auf deine Erkrankung. Auch dein Blick auf neue Möglichkeiten verändert sich.


Denn irgendwann beginnt dein Gehirn, dich schützen zu wollen. Es erinnert sich an frühere Enttäuschungen und versucht zu verhindern, dass du sie noch einmal erleben musst. Das ist ein völlig normaler Mechanismus. Unser Gehirn liebt Sicherheit. Es möchte vermeiden, dass wir erneut Schmerz erleben – körperlich genauso wie emotional.


Deshalb fühlen sich neue Wege irgendwann nicht mehr nach einer Chance an.

Sondern nach einem Risiko.


Vielleicht hast du gar kein Vertrauensproblem


Viele Frauen glauben in dieser Situation, sie seien einfach skeptisch geworden.

Doch häufig steckt etwas anderes dahinter.


Wer über Jahre immer wieder erlebt hat, dass Hoffnungen enttäuscht werden, entwickelt nicht zwangsläufig Misstrauen gegenüber einzelnen Menschen. Viel häufiger entsteht ein Misstrauen gegenüber Veränderung selbst.


Vielleicht kennst du Gedanken wie:


"Was, wenn ich wieder Zeit verliere?"


"Was, wenn ich wieder Geld investiere und am Ende genauso dastehe wie heute?"


"Was, wenn ich mich wieder darauf einlasse und erneut enttäuscht werde?"


Diese Gedanken bedeuten nicht, dass du aufgegeben hast. Sie zeigen vielmehr, wie oft du in der Vergangenheit bereits versucht hast, etwas zu verändern.


Genau deshalb finde ich es wichtig, diesen Gedanken nicht zu bewerten. Er macht dich nicht schwach. Er macht dich auch nicht negativ. Er erzählt lediglich etwas über den Weg, den du bisher gehen musstest.


Ich kenne diese Angst selbst


Wenn ich heute Frauen begleite, dann nicht, weil mein eigener Weg geradlinig verlaufen ist. Ganz im Gegenteil.


Auch ich kenne diese Gedanken nur zu gut.


Ich kenne das Gefühl, wieder voller Hoffnung in einen Arzttermin zu gehen – und anschließend mit noch mehr Fragen nach Hause zu fahren. Ich kenne die Erfahrung, nicht ernst genommen zu werden, unterschiedliche Meinungen zu hören oder die nächste Behandlung auszuprobieren, obwohl die vorherige schon keine wirkliche Veränderung gebracht hat.


Und ich kenne auch diese leise Stimme, die irgendwann immer lauter wurde:


"Was, wenn es diesmal wieder nichts bringt?"


Mit jedem weiteren Versuch fällt es schwerer, sich erneut auf etwas einzulassen. Nicht, weil man keine Veränderung mehr möchte, sondern weil man sich irgendwann davor schützen möchte, wieder enttäuscht zu werden.


Rückblickend glaube ich, dass genau das der entscheidende Punkt ist.


Es geht nicht darum, jeder neuen Möglichkeit blind zu vertrauen. Es geht vielmehr darum, für sich selbst herauszufinden, woran man Vertrauen überhaupt festmacht.


  • Was brauchst du, um dich bei einem Menschen ernst genommen zu fühlen?


  • Welche Werte sind dir wichtig?


  • Woran erkennst du, dass dir jemand wirklich zuhört und nicht nur eine Standardlösung über deine individuelle Situation legt?


  • Und woran merkst du, dass jemand nicht nur theoretisches Wissen hat, sondern deine Situation wirklich nachvollziehen kann?


Diese Fragen verändern den Blick.


Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, der nächsten Methode hinterherzulaufen. Sondern bewusst zu entscheiden, welchem Weg und welchem Menschen du dein Vertrauen schenken möchtest.


Das ist ein Unterschied, der für mich persönlich sehr viel verändert hat.


Wenn du mit Adenomyose oder Endometriose das Vertrauen in Veränderung verloren hast, bist du damit nicht allein


Wenn wir über Adenomyose oder Endometriose sprechen, denken viele zuerst an Schmerzen, starke Blutungen oder Erschöpfung. Doch es gibt noch eine andere Form von Erschöpfung.


Die Erschöpfung, ständig nach der nächsten Möglichkeit zu suchen.


Immer wieder zu recherchieren.

Immer wieder Hoffnung zu entwickeln.

Immer wieder Entscheidungen treffen zu müssen.


Und immer wieder abzuwarten, ob sich diesmal endlich etwas verändert.


Viele Frauen merken irgendwann, dass sie nicht nur körperlich müde sind.

Sie sind auch müde vom Hoffen.


Genau das ist einer der Gründe, warum manche Frauen sich zurückziehen, obwohl sie sich eigentlich Veränderung wünschen. Nicht, weil ihnen ihre Gesundheit nicht wichtig wäre. Sondern weil jede neue Entscheidung auch die Möglichkeit einer neuen Enttäuschung mit sich bringt.


Manchmal ist nicht die Investition das eigentliche Problem


In Gesprächen höre ich immer wieder Sätze wie:


"Ich muss da noch einmal drüber nachdenken."


"Es ist schon eine größere Investition."


Natürlich spielt Geld eine Rolle. Das wäre unehrlich zu bestreiten. Doch häufig spüre ich noch etwas anderes.


Die eigentliche Frage lautet oft gar nicht:


„Kann ich mir das leisten?“


Sondern:


„Kann ich es emotional aushalten, wenn ich wieder enttäuscht werde?“


Das ist ein großer Unterschied.


Denn wenn wir schon viele Rückschläge erlebt haben, schützen wir uns häufig unbewusst davor, noch einmal voller Hoffnung loszugehen.


Nicht weil wir keine Veränderung möchten. Sondern weil wir Angst davor haben, dass sie wieder ausbleibt.


Vergangene Erfahrungen dürfen deine Zukunft nicht vollständig bestimmen


Deine bisherigen Erfahrungen gehören zu dir.


Sie haben dich geprägt.

Sie haben dich vorsichtiger gemacht.

Vielleicht auch kritischer.


Das ist nachvollziehbar.


Gleichzeitig wäre es schade, wenn genau diese Erfahrungen heute darüber entscheiden würden, welche Möglichkeiten du dir überhaupt noch erlaubst anzuschauen.


Denn jede neue Entscheidung ausschließlich durch die Brille früherer Enttäuschungen zu betrachten, nimmt dir die Chance, neue Erfahrungen zu machen.


Es geht dabei nicht darum, jedem neuen Versprechen blind zu vertrauen.

Ganz im Gegenteil.


Es geht darum, wieder unterscheiden zu lernen.


Zwischen berechtigter Vorsicht und der Angst, die aus vergangenen Enttäuschungen entstanden ist.


Diese beiden Dinge fühlen sich oft sehr ähnlich an – sind aber nicht dasselbe.


Veränderung beginnt oft früher, als viele denken


Viele verbinden Veränderung mit einer neuen Therapie, einer Ernährungsumstellung oder einer konkreten Maßnahme.


Ich glaube, sie beginnt häufig schon viel früher.


Nämlich in dem Moment, in dem du dir erlaubst, wieder offen hinzuschauen.


Ohne sofort entscheiden zu müssen.

Ohne dich unter Druck zu setzen.

Und ohne von dir zu erwarten, sofort den perfekten Weg zu finden.


Vielleicht besteht der nächste Schritt im Moment gar nicht darin, sofort alles zu verändern.


Vielleicht besteht er zunächst darin, ehrlich auf deine aktuelle Situation zu schauen und dir die Frage zu stellen:


Wo stehe ich eigentlich gerade – und was brauche ich wirklich?


Wenn du genau dabei Unterstützung möchtest, kann mein Selbsttest ein guter erster Schritt sein. Er ersetzt keine Diagnose und auch keine individuelle Begleitung. Er hilft dir jedoch dabei, deine aktuelle Situation bewusster zu reflektieren und einzuschätzen, ob eine weiterführende Begleitung für dich sinnvoll sein könnte.


Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit der perfekten Lösung, sondern mit der Entscheidung, den Blick wieder nach vorne zu richten – auch wenn das nach vielen Enttäuschungen zunächst Mut kostet.


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